Sie müssen angemeldet sein, um Verstösse melden zu können.

Darum geht die Debatte


Am 29.11.2009 findet im Kanton Bern die Abstimmung zum aktiven Stimmrechtsalter 16 statt. Wird sie angenommen, können Jugendliche ab 16 Jahren ab dem 1.1.2010 bei kantonalen Abstimmungen und Wahlen teilnehmen.
In Bern steht also in Kürze der Entscheid zur Debatte bevor, doch im ganzen Land ist das Thema aktuell.

Was haltet ihr davon?
Sind 16-jährige bereits reif genug, politische Entscheide zu treffen?
Ist die Beeinflussung durch die Eltern ein Problem?
Was wären negative Konsequenzen bei einem JA, welche Argumente sprechen dafür, die Initiative anzunehmen?
Eure Meinung interessiert!

Alle Beiträge
Beitrag schreiben
2
Etwas ungläubig verfolgte ich Aussagen wie "Mit 16 kann ein Jugendlicher sich noch keine politische Meinung bilden" oder "16-jährige sind noch nicht in der Lage zu politisieren". Vorstösse aus Jugendparlamenten oder Jugendräten zeigen mir das klar ein anderes Bild!

Da frage ich mich, weshalb trauen wir 16-jährigen politisch so wenig zu, wo sie sonst (fast) überall Eigenverantwortung übernehmen müssen? Und wie sollen sie dann überhaupt ihre Zukunft gestalten?
Wenn Jugendliche mit 16 nicht abstimmen dürfen, sollte auch eine obere Limite gesetzt werden. Sagen wir mal bei 75 Jahren. Weshalb soll jemand im fortgeschrittenen Alter über drastische Themen wie Schuldentilgung, Entsorgung von Atommüll, Nachhaltige Umweltpolitik und eine starke Bildung entscheiden dürfen, wo sie mit den Auswirkungen möglicherweise nicht mehr konfrontiert werden? Auf der anderen Seite Jugendliche, welche sich morgen mit dieser Thematik (also mit den heute erstellten Problemen) befassen müssen, die jedoch ihre Meinung dazu nicht kund geben dürfen?

Deshalb spreche ich mich ganz klar für das Stimmrechtsalter 16 aus - für die Zukunft der Schweiz!
Kommentar schreiben...
Verstoss melden
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentare schreiben zu können. Anmelden können Sie sich hier.

1
Nach Ansicht von Laurence Steinberg, einem führenden amerikanischen Neurologen ist die Entwicklung des menschlichen Hirns erst Mitte Zwanzig abgeschlossen:

"Etwa zur Zeit der Pubertät zeigt sich im Hirn ein dramatischer Anstieg von Dopaminrezeptoren. Der Nervenbotenstoff Dopamin vermittelt vor allem Freude und Belohnung. Der Anstieg der Dopamin-Aktivität führt dazu, dass die Jugendlichen viel neugieriger werden und den Nervenkitzel regelrecht suchen; sie sind geradezu süchtig nach Gefühlen der Belohnung und der Bestätigung.

Aber es gibt ein zweites System im Gehirn, nämlich eine Art kognitive Kontrolle, das uns hilft, nach vorne zu schauen, die Konsequenzen unseres Handels abzuschätzen, zu planen. Dieses Kontrollsystem ist auch eine Art Impulsbremse, doch es ist erst Mitte zwanzig ausgereift.

Die Diskrepanz in der Entwicklung dieser beiden Hirnsysteme führt dazu, dass sich Heranwachsende oft riskant und rücksichtslos verhalten, bis hin zum Verbrechen, obwohl sie intellektuell schon in der Lage sind, rationale, verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen." (Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/Unsere-Kinder-werden-viel-zu-hart-bestraft/story/23010883)

Aus dieser Sicht müsste das Stimm- und Wahlalter entweder auf 25 Jahre hinaufgesetzt werden, oder aber Kinder müssten bereits bei der Geburt stimm- und wahlfähig werden.

Wahl- und Stimmrecht mit 16 ist eine völlig willkürliche Setzung.


2 Kommentare
Verstoss melden
Ich stimme mit deiner Schlussfolgerung nur bedingt zu.
Mit 16 ist diese Entwicklung zwar offenbar noch nicht abgeschlossen, doch sie ist bereits in einem wesentlich fortgeschrittenerem Stadium als beispielsweise bei einem 10jährigen.

Mit deiner Logik dürfte in letzter Konsequenz niemand unter 25 Jahren irgend einen bedeutsamen Posten innehaben, was dann doch ziemlich absurd wäre.

16 ist nicht willkürlich. Wir sehen beispielsweise in Jugendparlamenten viele Interessierte Jugendliche, die erst 16- oder 17jährig sind. Weiter ist der schulische Staatskundeunterricht mit bei den meisten im Alter von 16 Jahren beendet.
16 mag aus vielleicht aus Sicht dieser einen Studie (es gibt ja nota bene auch Studien, die besagen, mit 16 Jahren sei man urteilsfähig) willkürlich erscheinen, doch es ist das Ergebnis von Beobachtungen aus dem Alltag - und diese sind aus meiner Sicht schwerer zu Gewichten, als eine Studie, über deren Wahrheitsgehalt ich nicht urteilen kann und deren Konsequenzen sehr absurd wären.

Über die Argumente, wieso man das Stra16 nun begrüssen sollte, möchte ich mich hier nicht äussern, dazu bestehen bereits genügend andere Beiträge.
Tobias Pulver - Vorstand Jugendparlament Köniz, Parteilos 22. November 2009 Verstoss melden
Die Studie plädiert dafür, dass es falsch und sinnlos ist Minderjährige für Straftaten zu belangen.

Nun, eine andere Möglichkeit, wäre das sogenannte "Familienstimmrecht", d.h. jedem Menschen bei seiner Geburt das Stimm- und Wahlrecht zu erteilen, das dann bis zur Volljährigkeit stellvertretend durch die Mutter ausgeübt würde.
Thys Flueler - Parteilos 26. November 2009 Verstoss melden
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentare schreiben zu können. Anmelden können Sie sich hier.

6
Genau, denn während dieser Zeit geht viel Staatskundewissen verloren. Da wäre es besser bereits ab 16 stimmen und wählen zu dürfen.
2 Kommentare
Verstoss melden
Ich denke, da liegt ein wichtiter Punkt begraben: die obligatorische Schulzeit ist vorbei und es wird verlangt, dass die Jugendlichen in ihrer Lehre, in einer weiterführenden Schule Verantwortung übernehmen (immer im Rahmen ihrer Noch-Nicht-Volljährigkeit), aber sie können diese Verantwortung nur beingt weiter einbringen..wird da nicht viel verspielt, in diesen zwei Jahren?
Elisa Schlup 23. September 2009 Verstoss melden
Ich weiss nicht, was aktuell an den Berufsschulen gelehrt wird. Aber zu meiner Zeit war es noch so, dass wir eigentlich erst da so richtig den Staatskundeunterricht wahrgenommen haben und auch eine fundierte Meinung zu politischen Themen bilden konnten. Ich kann mir einfach schlecht vorstellen, dass Jugendliche mit 16 Jahren schon einen Beitrag zum politischen System bilden können. Ich habe nicht das Gefühl, dass sie bereit sind, politische Diskussionen sachlich zu führen und so einen echten Beitrag leisten können, sorry.
Adrian Christen - Parteilos 30. Oktober 2009 Verstoss melden
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentare schreiben zu können. Anmelden können Sie sich hier.

5
Hat er so gesagt in der Arena vom letzten Freitag.
Kommentar schreiben...
Verstoss melden
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentare schreiben zu können. Anmelden können Sie sich hier.

7
Es mag sie geben, die Schulklassen, die in den Genuss von inhaltlich guter und motivierender "Staatskunde" kommen. Den meisten bleibt dieses essentielle Fach in einer sinnvollen Form jedoch verwehrt. Das ist schade, denn ohne das Interesse an Politik nützt ein Stimmrecht mit 16 nicht viel. Natürlich habe ich nichts dagegen, dass auch interessierte 16-Jährige mitbestimmen können, doch gegen das weit verbreitete "Was geht mich das an"-Syndrom – welches ich als zentrales Problem im Feld Jugend & Politik erachte – hilft es wenig.
2 Kommentare
Verstoss melden
Als Antwort ein Auszug zu genau diesem Punkt aus dem Argumentatorium der Initianten (http://stimmrechtsalter16-gr.ch/de/media/Langargumentarium.pdf):

"Flankierend zu einem Stimmrechtsalter 16 muss deshalb unbedingt auch der
Staatskundeunterricht neu organisiert werden. Es müssen Lehrmittel geschaffen werden,
die zwar wie heute ganz klar neutral gehalten sind, die aber auch die Interessengegensätze
und die praktischen Regeln des politischen Alltags an Fallbeispielen darstellen. Dies ist
wichtig, um der möglichen Beeinflussung durch die Schule vorzubeugen.
Die Kombination der Möglichkeit mit 16 Jahren abzustimmen mit einem aufgewerteten
Staatskundeunterricht hat unserer Ansicht nach längerfristig auch später noch anhaltendes
politisches Interesse und grösseres Verantwortungsbewusstsein zur Folge. Dies zeigen auch
entsprechende Studien, die den Einfluss des Staatskundeunterrichts auf das politische
Interesse der Schülerinnen und Schüler untersucht haben."

Nun müssten diese in der Tat sehr guten Ansätze dann aber auch wirklich umgesetzt werden!
In Kombination mit dem Stimmrechtsalter 16 wäre dies aber ein enormer Fortschritt!
Tobias Pulver - Vorstand Jugendparlament Köniz, Parteilos 10. September 2009 Verstoss melden
Tobias, wir sind einer Meinung. Nur, deinen letzten Satz kann ich nicht ganz nachvollziehen. Was hat das Stimmrecht 16 mit guter politischer Bildung zu tun? Beides ist wünschenswert – klar –, aber einen direkten Zusammenhang kann ich nicht ausmachen.
Julian Meier 18. September 2009 Verstoss melden
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentare schreiben zu können. Anmelden können Sie sich hier.

11
Das Interesse an der Politik ist bei 16- und 17-jährigen, entgegen der allgemeinen Erwartung, bereits vorhanden! Befragungen haben ergeben, dass ein ähnlicher Wert an Interessierten wie bei den 18-24-jährigen besteht, nämlich um die 30 Prozent.

Fehlt nun tatsächlich einem Teil der 16- und 17-jährigen die Reife für politische Entscheide, so gehen diese auch sicher nicht wählen, da aus meiner Sicht bezüglich Politik die Reife eine Voraussetzung für das Interesse und folgich Wahlabsichten sind. Wer also unreif ist, wird kaum wählen gehen und somit niemandem schaden.

Auch finde ich, dass eine Beschränkung auf das Aktivstimmrecht keinen Sinn machen würde, da kaum jemals jemand gewählt wird, der nicht genügend reif für einen solchen Posten ist. Die Wählerschaft wird wohl niemanden wählen, den sie für unreif hält.

Bei einem JA! sehe ich also keine absehbaren negativen Konsequenzen, hingegen wäre ein NEIN! schade, da man durch die Herabsetzung viele Junge für die Politik gewinnen könnte und bereits Interessierten die Chance gibt, aktiv mitzumachen.

Doch vielleicht hat sich ja jemand bereits besser informiert und hat auch gute Argumente für eine Ablehnung der Herabsetzung?
1 Kommentar
Verstoss melden
Ein zu prüfendes Argument wäre, dass der Trend zur "Popularisierung" und "Polemisierung" der Politik durch das Stimmrecht 16- und 17-jähriger potentiell weiter akzentuiert würde.
Meine Einschätzung ist, dass wir uns damit leider weiter von einem gemässigten politischen Diskurs bewegen würden.
Juan Romero Abelleira 21. September 2009 Verstoss melden
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentare schreiben zu können. Anmelden können Sie sich hier.

5
Die wichtigsten Pro- und Contra-Argumente als kleine Übersicht:

Für die Herabsetzung des Stimmrechtsalters

* Mehr Demokratie
Wer von staatlichen Regelungen betroffen und zur Diskussion und Entscheidung darüber fähig ist, soll mitreden und stimmen können. Jugendliche ab 16 Jahre haben diese Fähigkeit.

* Intellektuelle und soziale Fähigkeiten vorhanden
Den Sechzehnjährigen ist aufgrund ihrer intellektuellen und sozialen Entwicklungsstufe die Teilnahme am politischen Prozess zuzutrauen.

* Untervertretung der Jungen
Jugendliche und junge Erwachsene sind in politischen Gremien (Parlamenten usw.) untervertreten.

* Vollwertige Staatsbürgerinnen und Staatsbürger
Die frühe Anerkennung als vollwertiger Staatsbürger lässt auf eine bessere Integration in Staat und Politik hoffen.

* Von der Theorie in die Praxis
Es gibt keine Lücke zwischen Theorie und Praxis mehr: Die Stimmberechtigung schliesst besser an den schulischen Unterricht über politische Bildung an.

Gegen die Herabsetzung des Stimmrechtsalters

* Ausgebaute Demokratie besteht
In jeder Demokratie ist ein Teil der Einwohnerinnen und Einwohner im Parlament vertreten, ohne dass sie ein Mitspracherecht haben (früher: Minderbemittelte, Frauen, ...).

* Keine Lösung für Untervertretung
Die Herabsetzung des Stimmrechtsalters wird an der Untervertretung der Jungen in der Politik nichts ändern.

* Interesse und teilweise Reife fehlt – Vorschlag geht zu weit
Den Sechzehnjährigen fehlt das Interesse an der Politik. Zum Teil fehlt auch die erforderliche Reife für das Wählen und Abstimmen.
Wenn schon eine Herabsetzung des Stimmrechtsalters, dann mit einer Beschränkung auf das Aktivstimmrecht unter Ausschluss des Passivstimmrechts*.
*Passivstimmrecht: Recht, in eine politische Behörde (Beispiel: Gemeinderat) gewählt zu werden

* Recht bedeutet Pflicht
Das Stimmrecht umfasst auch die – moralische – Pflicht, an Wahlen und Abstimmungen teilzunehmen; diese Belastung sollte man den Jugendlichen nicht zumuten.
1 Kommentar
Verstoss melden
Danke für diese wirklich plausible Auflistung. Besonders
"* Von der Theorie in die Praxis. Es gibt keine Lücke zwischen Theorie und Praxis mehr: Die Stimmberechtigung schliesst besser an den schulischen Unterricht über politische Bildung an" erachte ich als wichtigen Punkt: Vom Staatskundeunterricht direkt in die Praxis, direkt ans Mitbestimmten.
Elisa Schlup 9. September 2009 Verstoss melden
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentare schreiben zu können. Anmelden können Sie sich hier.

  Sie haben schon für diesen Beitrag gestimmt.